Infiziert! – von Petra

Infiziert von Petra
Vor einigen Jahren waren meine Mutter und ich wieder mal auf einem Konzert in München, diesmal auf der Arabella Schlagerparade. Ein Künstler, der dort auftreten sollte, war ausgefallen, und als Ersatz wurde eine Gruppe aus Österreich namens SEER angekündigt. Neugierig sah ich zur Bühne, auf die gerade ein ganzer Haufen stürmte, und dachte mir: “Na ja, schaun mir mal, was die so drauf haben.” Sie gefielen mir recht gut, am meisten fiel mir auf, dass gleich zwei Sängerinnen dabei waren, sie sangen etwas von Junischnee, aber mehr blieb mir nicht in Erinnerung. Aus den Augen, aus dem Sinn, die nächsten Monate hörte ich das Wort SEER nur noch ab und zu aus dem Mund meiner Mutter, die von der Gruppe begeistert war, und mir immer wieder von deren Liedern erzählte.

Im Januar 05 fing meine Mutter davon an, dass die SEER am 3.6. in München ein Konzert geben würden, und so beschlossen wir, dorthin zu fahren und besorgten uns Karten. Am besagten Tag fuhren wir also los, nach München zum Circus Krone. Dort angekommen, guckte ich erstmal ein bisschen spaßig. Da waren ja eine Menge Leute in Tracht gekleidet, und der Sprache nach viele Österreicher. Worauf hatte ich mich da bloß eingelassen? Als wir auf unseren Plätzen in der dritten Reihe saßen, und die Menschen um mich herum betrachtete, schien es, als würde hier jeder jeden kennen, da wurde miteinander geredet und gelacht, und auch wir wurden gleich willkommen geheißen. Als es im Saal dunkel wurde, auf der Leinwand ein Adler erschien, der über Berge flog, und aus dem Off die Gruppe angekündigt wurde, spürte ich eine Gänsehaut langsam meinen Rücken runterwandern, und mit jedem Lied war ich mehr begeistert. Bei “Leb dei Lebn” schließlich, schlug der SEERvirus voll zu, seit diesem Moment bin ich ein Fan der Gruppe. Nach dem Konzert ließen wir uns Autogramme geben, hatten einen Ratsch mit Spitz und alberten ein bisschen mit Jürgen rum. Sowas hatten wir auch noch nie gehabt, die meisten Künstler verschwinden ja sofort nach dem Konzert gleich wieder. Hellauf begeistert besorgten wir uns umgehend Karten fürs Rosenheimer Konzert, auf dem wir uns dann dazu entschlossen, 2006 aufs Open Air am Grundlsee zu fahren.

Ich besorgte mir sämtliche Lieder, ließ sie im mp3 Player rauf und runter laufen, meine Nachbarn sahen mich bei der Arbeit nur noch mit Kopfhörern rumlaufen. Das Wort SEER gehörte mittlerweile zu meinem Grundwortschatz, und ich lernte rasch, gleich bei den ersten Tönen im Radio, meinem Mann zu erklären:” Das sind die SEER mit dem und dem Lied”. Mittlerweile hatte meine Mutter entdeckt, dass es auch einen Chat beim deutschen SEERfanclub gibt. Nach anfänglichem Zögern entschloss ich mich, mich mal darin umzusehen, und vielleicht ein paar Leute kennenzulernen, die auch aufs Open Air fahren würden. Gesagt, getan, ich loggte mich ein und war hellauf begeistert. Ich, mittlerweile von meiner Umgebung als “spinnert” abgetan (“So, wie du dich aufführst, könnte man meinen, du wärst 14 und nicht 41”), hatte ich doch mittlerweile Karten für 5 SEERkonzerte für 2006, wurde sofort freundlich aufgenommen, und stellte fest, ich war ja gar nicht die einzige “spinnerte”, da gabs ja noch viel mehr. Und alle waren hilfsbereit, egal ob’s um Fragen rund um die SEER ging, um Konzertkarten oder sonst etwas. Bald war der SEERchat ein fester Bestandteil in meinem Leben, und es entwickelten sich Freundschaften, wir lernten uns am Open Air persönlich kennen, und als das Konzert in München war, eröffnete ich das “Hotel Petrunzel”, weil einige meiner Chatfreunde bei mir übernachteten.

Mittlerweile bin ich eine der Stammchatterinnen, immer noch fast täglich im Chat, und wir haben viel Spaß zusammen, wir sind wie eine Familie. Meine SEERleidenschaft hat übrigends auch Vorteile mit sich gebracht. Mein Mann ist ganz begeistert, weil ich auf einmal Interesse für ganz andere Sendungen als vorher zeige (“Seit wann schaust du dir Musikantenstadl an?”), mein Schlagzeug in die Ecke gestellt habe, und auf Ziach umgestiegen bin, nicht mehr so oft fortgehe(da könnt ich ja nicht chatten…), usw. Für 2007 stehen momentan 6 Konzerte fest auf dem Terminplan, mal schauen obs dabei bleibt. Der Virus ist übrigends ansteckend, letztes Jahr fuhr mein Mann erstmalig auf ein Konzert mit, wird auch dieses Jahr teilweise wieder mit von der Partie sein, heuer am Grundlsee wird mein Vater zu ersten Mal ein Livekonzert sehen, und das Konzert in Rosenheim wird schon ein halbes Familientreffen. Sogar meine Tochter kann man mittlerweile des öfteren im SEERchat antreffen.
SEER, donksche für alles, sche dass eich gibt, ihr habt’s mei Leben reicher gemacht.
Petra